"Wir brauchen mehr Männer"
"Wir brauchen mehr Männer"
SANDRA SCHÄFER
Der 33-Jährige fordert: "Die klassischen Geschlechterrollen müssen aufgebrochen werden"
Allein unter Frauen: Wenn Robert Meinberg (33) ins Lehrerzimmer kommt, dann ist er dort in der Regel allein unter Frauen. Denn der große Mann mit den langen Haaren arbeitet an einer reinen Grundschule und dort sind Männer Mangelware - es gibt sie höchstens als Schulleiter. "In meinem früheren Beruf als Koch, da war es genau umgekehrt", so der Pädagoge. "Da gab es in unserem 20-köpfigen Team nur zwei Frauen." Da habe es mehr Hierarchien gegeben, der Ton sei erheblich rauer gewesen. "Hier ist der Umgang viel angenehmer."
An seiner Schule - der Grundschule Thadenstraße in Altona - wird seit einigen Jahren bewußt darauf geachtet, dass auch Männer im Kollegium sind. "Ich glaube, Eltern schätzen das und achten bei der Schulwahl darauf", so Meinberg. Mittlerweile sind sie im Kollegium vier Männer (inklusive Schulleiter) und 18 Frauen. "Wir brauchen in der Grundschule auf jeden Fall mehr Männer, um die klassischen Geschlechterrollen aufzubrechen." Dazu wäre allerdings auch wichtig, dass alle Pädagogen darauf ausgebildet werden, nicht so geschlechtsspezifisch zu unterrichten. "Denn es hilft wenig, wenn die Männer in den Schulen dann wieder dem Klischee entsprechend nur Sport, Werken und Mathematik unterrichten."
Dass besonders die Jungs es genießen, einen Mann als Lehrer zu haben, das hat Meinberg in seiner Klasse nicht bemerkt. "Ich arbeite in einem Klassenlehrer-Team mit meiner Kollegin Annette Schober, und das ist eine optimale Konstellation." Dann könnten sich die Kinder entscheiden, zu wem sie mit welchem Problem gehen. "Manchmal habe ich eher das Gefühl, dass die Mädchen mehr zu mir kommen", schmunzelt Meinberg. Was aber auch daran liege, dass seine Kollegin sehr gut mit Jungs zurechtkomme. "Manche Jungen reagieren aber ganz klar besser auf Männer", schränkt Schober ein. "Bei diesen Jungs, die es gewohnt sind, auf Ansagen von Männern zu hören, musste ich mir meine Position erst erarbeiten."
Meinberg war vor dem Start in der Grundschule gar nicht so bewusst, dass er in eine Frauendomäne eindringt. "Ich glaube, Männer trauen es sich immer noch nicht so zu, mit kleinen Kindern zu arbeiten." Das und die Tatsache, dass man bei dieser Arbeit nicht reich werde, seien wohl die Gründe, warum es nicht mehr Männer in der Grundschule gebe.
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